Ein Ring mit dem Stempel 333 besteht zu einem Drittel aus reinem Gold, ein Stück mit dem Stempel 585 zu gut der Hälfte. Mehr Wissen braucht es zunächst nicht, um den Materialwert von Familienschmuck aus DDR-Zeiten grob zu überschlagen. Trotzdem lohnt ein genauerer Blick, denn zwischen Stempel, Gewicht und tatsächlichem Auszahlungsbetrag liegen einige Schritte, die viele Erben nicht kennen, und nicht jedes Stück sollte überhaupt verkauft werden.
Welche Stempel auf Schmuck aus der DDR zu finden sind
Gerade in Berlin, wo Ost und West jahrzehntelang nebeneinander lagen, mischen sich in Erbschatullen oft Stücke aus beiden Teilen der Stadt: Eheringe, feine Ketten, Anhänger, ein Armband, das zu einem besonderen Anlass verschenkt wurde. Auf der Innenseite von Ringen oder am Verschluss von Ketten steht in der Regel eine dreistellige Zahl, die den Feingehalt in Tausendsteln angibt. Dass Schmuck, wenn er gestempelt wird, den Feingehalt in Tausendsteln tragen muss, regelt in Deutschland bis heute das Feingehaltsgesetz von 1884. Häufig steht daneben ein kleines Herstellerzeichen, etwa die Initialen einer Werkstatt. Taucht statt 585 die Zahl 583 auf, deutet das meist auf sowjetische Herkunft hin, denn dort war 583 der übliche Feingehalt für 14-karätiges Gold. Ein solches Stück enthält praktisch genauso viel Gold. Ein fehlender Stempel bedeutet übrigens nicht automatisch, dass ein Stück unecht ist, denn eine Punzierung ist in Deutschland keine Pflicht.
Was 333 und 585 genau bedeuten
Die Zahl 333 entspricht 8 Karat, also acht von 24 Teilen, und damit 33,3 Prozent Feingold. Der Rest der Legierung besteht aus anderen Metallen, meist Silber und Kupfer, die das Material härter machen und die Farbe bestimmen. 585 entspricht 14 Karat. Rechnerisch wären das gut 583 Tausendstel; gestempelt wird 585, damit der Gehalt von 14 Karat sicher erreicht ist. Für 750 gilt dasselbe Prinzip: 18 Karat, drei Viertel Gold. Das Feingehaltsgesetz erlaubt bei Schmuck eine Fehlergrenze von höchstens zehn Tausendsteln. Wer bemerkt, dass ein 333er Ring über die Jahre leicht nachgedunkelt ist, muss sich keine Sorgen machen: Niedrige Legierungen enthalten viel unedles Metall und laufen eher an als hochkarätiges Gold, am Goldgehalt ändert das nichts. Auch die Farbe sagt wenig über den Wert: Gelb-, Rot- und Weißgold derselben Legierung enthalten gleich viel Feingold, nur die Beimischungen unterscheiden sich. Rotgold hat einen höheren Kupferanteil, Weißgold wird mit hellen Metallen wie Palladium, Nickel oder Silber legiert.
So wird der Wert pro Gramm heute berechnet
Der Materialwert ergibt sich aus drei Zahlen: Gewicht, Feingehalt und Tageskurs für ein Gramm Feingold. Ein Ehering aus 333er Gold mit vier Gramm Gewicht enthält rund 1,33 Gramm reines Gold, eine 585er Kette mit zwölf Gramm etwa 7,02 Gramm. Bei gleichem Gewicht steckt in 585er Schmuck damit gut drei Viertel mehr Gold als in 333er Schmuck. Der Ankaufspreis liegt unter dem Börsenkurs, weil der Händler Kosten für Prüfung, Weitergabe und Verarbeitung trägt; wie groß der Abstand ist, sollte jedes Angebot offen ausweisen. Wer vorab eine Größenordnung sucht, kann sich am aktuellen Preis für 333er Gold orientieren, den ein Ankaufsgeschäft in Berlin-Charlottenburg mit dem Tageskurs berechnet und samt Rechenweg erklärt. Ist ein Stempel abgerieben oder unleserlich, lässt sich der Feingehalt dort zerstörungsfrei per Röntgenfluoreszenz messen, ohne das Erbstück anzukratzen.
Was nicht in den Grammpreis eingeht
Für den Materialwert spielt es keine Rolle, ob ein Ring eine Gravur trägt, wie aufwendig eine Kette gearbeitet ist oder aus welchem Jahrzehnt ein Anhänger stammt. Genau hier entsteht oft Enttäuschung: Ein Schmuckstück, das einst als großes Geschenk galt, ergibt heute als Altgold mitunter nur einen bescheidenen Betrag. Umgekehrt kann eine schwere 585er Kette, die jahrelang unbeachtet in der Schublade lag, mehr wert sein, als die Familie vermutet. Sorgfältiges Sortieren schafft hier Klarheit. Dazu gehört auch, Doublé und vergoldetes Silber auszusondern, die trotz goldener Optik kaum Goldwert besitzen. Doublé trägt oft Kürzel wie GF oder RGP, vergoldetes Silber in der Regel den Silberstempel 925 oder 835.
Gut vorbereitet zur Bewertung
Wer den Wert vorab abschätzen möchte, kann die Stücke zu Hause mit einer Küchen- oder Briefwaage wiegen und nach Stempel sortiert in kleine Tüten verpacken. Das ersetzt keine geeichte Waage, liefert aber eine Größenordnung, mit der sich jedes Angebot vergleichen lässt. Hilfreich ist auch eine kurze Liste: welche Stücke verkauft werden sollen, welche nur geprüft werden und welche auf keinen Fall das Haus verlassen. So fällt es leichter, beim Termin bei der eigenen Entscheidung zu bleiben, statt sich spontan von einem Erbstück zu trennen.
Warum Behalten manchmal die bessere Rechnung ist
Gerade bei 333er Schmuck ist der Materialwert eines einzelnen Stücks oft überschaubar. Ein schmaler 333er Ehering von drei bis sechs Gramm enthält nur ein bis zwei Gramm Feingold. Dem steht ein Wert gegenüber, den keine Waage misst: der Ring, den die Großmutter jahrzehntelang getragen hat, oder die Kette, die auf einem alten Familienfoto aus Ost-Berlin zu sehen ist. Ist ein Stück einmal verkauft, lässt es sich nicht zurückholen. Ein sinnvoller Mittelweg kann sein, einzelne Ohrringe, gerissene Kettchen und beschädigte Stücke ohne Erinnerungswert zu verkaufen, während die persönlichsten Erbstücke in der Familie bleiben oder von einer Goldschmiedin zu etwas Neuem umgearbeitet werden.
Wer DDR-Schmuck geerbt hat, muss also weder Fachmann werden noch sofort entscheiden. Es genügt, die Stempel zu lesen, die Stücke nach Feingehalt zu sortieren, den Materialwert mit Gewicht und Tageskurs zu überschlagen und dann in Ruhe abzuwägen, welche Teile Geld und welche Erinnerung bedeuten. Diese Reihenfolge schützt vor zwei Fehlern zugleich: vor einem vorschnellen Verkauf und vor dem Irrtum, ein unscheinbares Stück sei wertlos.
